Glossar zum Thema Systemische Aufstellungen

Die systemische Ordnung

Die systemische Ordnung

Jeder gehört an den Platz, der ihm zukommt.
Die Ordnung innerhalb der Familie, Paarbeziehung und der Organisation - oder wer ist an erster Stelle der Rangfolge? Dies ist ein Punkt der sehr oft missverstanden und so zu einer Ablehnung der Systemischen Aufstellung geführt hat.

Die Ordnung in sozialen Systemen beinhaltet auch eine sogenannte soziale Rangordnung. Die Rangordnung ist ein wichtiges Mittel zur Selbstorganisation des Systems und der Führung. Es ist ein grosser Unterschied ob ich in früheren Zeiten eine Sippe in der jeder, jenen kannte, in den Kampf führte oder heute ein Unternehmen führe oder selbst bei einer Familie.

In den Zeiten der Sippen waren eine klare Führung und deren Ausübung eine wichtige Voraussetzung für das Überleben der gesamten Sippe.

Die meisten Kulturen basieren auf dem Patriarchat. Kulturen dem Matriarchat sind eher seltener, doch beide funktionieren. Das Recht auf Führung wir je nach Zeitalter, Kultur und Religion unterschiedlich definiert.
• Die Macht des Stärke,
• der Anspruch auf Führung von Gottes Gnaden,
• bestimmt durch die Religion und die Kultur,
• bestimmt durch das Gesellschaftrecht und das Gesetz,
• bestimmt durch die Herkunft und Abstammung,
• bestimmt das Firmenreglement,
• …


Die Führung in der archaischen Gesellschaft setzte eine grosse Robustheit verbunden mit körperlicher Kampfes- und Durchsetzungskraft voraus. Aufgrund des Körperbaus meist eine Domäne der Männer.

Der Führungsanspruch in unserer heutigen Gesellschaft in familiären (inkl. bei Paaren) Strukturen nur aufgrund einer rein körperlichen Dominanz oder des Geschlechts ist eher das Relikt eines archaischen Weltbildes


Führung in einer Gesellschaft mit den modernen technologischen & sozialen Errungenschaften.
In der heutigen vor allem in der westlich orientierten Welt sind die sozialen Strukturen äusserst komplex geworden. Neben der „normalen“ Familie, gibt es die Patchwork- und Regebogenfamilien sowie die entsprechen Paarbeziehungen. Wir haben inzwischen einen grossen Kultur- und Religionsmix was eine friedliche Koexistenz Aller nicht einfach macht.

Moderne Technologien und Maschinen haben den Bedarf von grosser muskulärer Kraft in den meisten Bereichen des heutigen Lebens massiv reduziert bis überflüssig gemacht. Maschinen und Automaten erledigen die schwere körperliche Arbeit. Dadurch wurde die Dominanz der muskulären Kraft in der heutigen Gesellschaft stark zurückgedrängt und ist in der Regel nur noch ein untergeordnetes Kriterium für einen Führungsanspruch. Ausser z.B. in Strukturen wo bei der Festlegung Rangfolge auch die körperliche Gewaltanwendung legitim ist.


Zur Ordnung aus systemischer Sicht:
Diese Rangordnung ist eine hierarchische Ordnung. Aus der systemischen Sicht hat die Person mit der längsten Zugehörigkeit Vorrang vor den später Dazugekommenen.
Es gibt jedoch Ausnahmen, kann die betreffende Person bedingt durch ihren Gesundheitszustand oder ihrer geistigen Verfassung ihren Platz in der Rangordnung nicht einnehmen, rück der Nächste nach.


Bei Unternehmen - Organisationen.
In der Geschäftswelt sieht die Realität jedoch meist anders aus. Welches Unternehmen macht den dienstältesten Mitarbeiter zum CEO? Dies würde meistens wenig Sinn machen.
Ist er jedoch der Gründer auch der Inhaber des Unternehmens, ist er auch derjenige mit der längsten Zugehörigkeit.
In der Welt der Unternehmen und Organisationen ist es wesentlich komplexer, da existieren die unterschiedlichen Formen von Führungsstrukturen, die zum grossen Teil durch die Eigentumsverhältnissen und der Rechtsform der Organisation oder vom Verwaltungsrecht oder durch den Suverän (wählender Bürger) festgelegt werden.

  • Der Gründer,
  • der Besitzer,
  • der Spross der Besitzerfamilie,
  • der /die anheiratete Schwiegersohn, oder -tochter,
  • der Mehrheitseigner,
  • der vom Verwaltungsrat eingesetzte Manager,
  • der gewählte Magistrat,
  • … .

Was ist nun die Ordnung?
Um dies zu beantworten, müsste ich mir in jedem Falle mindestens zwei wichtige Fragen stellen. Welche innere Instanz erzeugt in uns die Dissonanzen bei einer Verletzung der Rangordnung oder wer ist der „Empfänger“ unserer Veränderungsimpulse (Schlussbild, Rituale, …) aus der Aufstellung.

Ist das kollektive Unbewusste stark beteiligt oder sogar unser wichtigster Ansprechpartner, können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit von einem über ein in einem sehr langen Zeitraum gewachsenen Ordnungsprinzip ausgehen, welches archaische Strukturen hat. In diesem Fall hätten wir in den meisten Fällen eine Diskrepanz zwischen der inneren und äusseren Realität.

Die Struktur der innere Rangordnung hängt sehr stark vom davon ab, von welchem Grundverständnis (Ausrichtung) der Austeller bei seiner Aufstellungsarbeit ausgeht. Ich überlasse es dem Leser sich seine eigene Meinung zu bilden


Was führt nun zu einer Verletzung der Rangordnung und was sind die möglichen Folgen?

  • Wird eine Rangordnung von den Betroffenen als falsch oder ungerecht empfunden,
  • wenn mit der Rangordnung bestehende Ordnungen (Erbrecht Bauernhof, Thronfolge, Titel, Vorsitz im Familienrat, etc.) übergangen werden,
  • das Nichtwahrnehmen der mit Führungsposition verbunden Pflicht zur angemessen Führung. Es bildet die Grundlage für ein Machtvakuum, was sehr oft für Mobbing missbraucht wird,
  • wen Kinder aus unterschiedlichen Gründen in die Rolle von Erwachsenen, z. B. eines Elternteils gedrängt werden, eine Rolle mit Aufgaben und Pflichten mit denen sie aufgrund ihres Kindseins nichts zu tun haben,
  • etc.


Bei der Verletzung der Rangordnung können unterschiedliche destruktive Dynamiken und Verstrickungen entstehen, z.B. die Opferrolle der Kinder.

 

 

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